Im Dschungel der Plattformen (II)

Außendienst-Plattformen wie Agnitio können die direkte Kundenkommunikation im Vertrieb auf neue Füße stellen. Ein durchschlagender Erfolg stellt sich aber nur dann ein, wenn die Plattform virtuos bespielt wird. Auch bei Software für die interne Projektkooperation ist Kraetivität gefragt: Viele Töne machen noch keine Sinfonie, viele Tools noch lange kein gutes Produkt.

Die Zeiten, in denen Außendienstmitarbeiter meinten, den Arzt mit selbstgestrickten Powerpoint-Präsentationen beglücken zu müssen, neigen sich dem Ende zu. Moderne eSales Plattformen oder Detailing Aid Plattformen erfreuen sich bei Pharmaunternehmen und nicht nur dort immer größerer Beliebtheit. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit Detailing Plattformen können Inhalte für den Außendienst strukturiert erfasst, verfügbar gemacht und aktuell gehalten werden. Das funktioniert weitgehend unabhängig von der verwendeten Hardware, so dass zentral erstellte Präsentationen später „im Feld“ auch wirklich überall gleich aussehen.

Die Anbieter mobiler Detailing Aid Plattformen kommen bisher überwiegend aus den USA. Eine Ausnahme stellt jedoch das dänische Unternehmen Agnitio mit seiner gleichnamigen Plattform dar. „Bei Plattformen wie Agnitio besteht oft das Missverständnis, dass sie in Konkurrenz zu Agenturen gesehen werden“, erläutert Thilo Kölzer, Vorstandsmitglied bei der Kölner Agentur antwerpes. Das ist aber deutlich zu kurz gesprungen: Eine Plattform alleine ist lediglich ein Torso, ähnlich wie eine leere Powerpoint-Präsentation. Die Tatsache, dass jeder damit im Prinzip alles machen kann, heißt nicht, dass das Ergebnis am Ende etwas taugt. Wer zu Weihnachten eine Kiste mit Ölfarben geschenkt bekommt, ist deswegen noch lange kein Picasso.

FairySales: Nur eine gute Story bringt den Verkaufserfolg

„Eine Plattform ist ein technisches Werkzeug, mehr nicht. Wer eine Außendienst-App entwickeln möchte, die bei der Zielgruppe wirklich ankommt, benötigt eine Agentur, die in der Lage ist, auf der jeweiligen Plattform kreative Inhalte umzusetzen. Plattform-Knowhow und kreative Energie müssen Hand in Hand gehen“, so Kölzer. Um diesen Punkt zu unterstreichen, hat die Agentur antwerpes das FairySales-Konzept entwickelt: „Die gute Geschichte, das Storytelling, verkauft Produkte, nicht die technische Plattform. Getreu dem FairySales-Ansatz sehen wir als Agentur unsere Aufgabe darin, die Plattform Agnitio so zu bespielen, dass sie eine inhaltlich und optisch stimmige Geschichte erzählt, die sich der Zielgruppe gut vermitteln lässt.“

Wie kann so etwas konkret aussehen? Auf Basis von Agnitio hat antwerpes beispielsweise eine Außendienst-App für Bayer entwickelt, die sich an die Zielgruppe der Radiologen richtet. In dieser App werden dem Radiologen unter dem Leitmotiv „The Art of Liver Imaging“ neue Entwicklungen im Bereich der Leberbildgebung nahegebracht. Mit Hilfe von Elementen mit Kunstbezug wie Bildern, einer Galerie, Staffeleien oder Pinselstrichen wird nicht nur trockene Information widergegeben. Vielmehr wird eine „Geschichte“ erzählt, bei der die Leberbildgebung als eigene „Kunstgattung“ präsentiert wird, was die Inhalte sowohl unterhaltsamer als auch einprägsamer vermittelt.

Grundsätzlich ist es übrigens auch in Zeiten der Detailing Aid Plattformen immer noch möglich, auf mobilen Plattformen wie etwa Tablet-Geräten nativ zu programmieren. Plattformen sind kein Königsweg. Sie können in vielen Situationen helfen. Manchmal sind sie aber auch unnötig, oder sie decken die jeweiligen Anforderungen an die App einfach nicht ab. Auf diesem YouTube-Video ist eine weitere App zu sehen, die die Agentur antwerpes für den Kunden Bayer umgesetzt hat. Es handelt sich um eine Kongress-App für den Europäischen Radiologen-Kongress in Wien – nativ programmiert, ganz ohne Detailing Aid Plattform.

Plattformen für die Projektkooperation: Vorsicht vor „Tooleritis“

Auch im Bereich der internen Projektkommunikation setzen Unternehmen, und nicht nur Pharma Unternehmen, zunehmend Plattformen ein. Hier steht mittlerweile eine ganze Reihe neuartiger Systeme zur Verfügung. Allerdings: Nicht jeder braucht alles. Teilweise ist gerade im Bereich der Projektkommunikation eine Tooleritis zu beobachten, die das Ziel der Prozessvereinfachung oft genug konterkariert. Für die Projektkommunikation gilt deswegen die Regel: Auf notwendige Tools beschränken und jene auswählen, die wirklich etwas taugen.

Speziell für den Bereich Projektkommunikation hat antwerpes den „Remote & Social-Ansatz“ entwickelt. „Remote“ und „Social“ sind die Kernanforderungen, die an jede Projektkommunikation zu stellen sind. „Remote“ steht für die Überbrückung räumlicher Distanzen, „Social“ für Interaktion und Austausch. Um beides optimal zu gewährleisten, nutzt antwerpes unter anderem auf WordPress basierende Projektblogs, MockFlow-Wireframes, Ticketsysteme wie Jira und Mantis sowie Timeline-Tools wie Smartsheet oder Open Project. Natürlich sollte es auch in der digitalen Business-Welt noch Raum für das vielleicht mächtigste Tool von allen geben, das persönliche Meeting. Projekterfolg stellt sich nicht dann ein, wenn eine möglichst große Zahl digitaler Tools zusammengestrickt wird, sondern wenn es gelingt, eine gesunde Mischung aus kollaborativen Tools und persönlicher Kommunikation zu erreichen.

What’s next?

Das Ende der Fahnenstange dürfte bei den digitalen Plattformen noch längst nicht erreicht sein. Tools wie Dropbox, die das kollaborative Arbeiten in Cloud-Systemen erleichtern, sind im Business-Umfeld im Kommen. Marketing Resource Management-Plattformen wie BrandMaker ermöglichen auch in dezentralen Organisationen das effiziente Verwalten von Marketingressourcen. Und Tools wie Talkwalker erlauben es, Social Media-Aktivitäten präzise zu monitoren. Kölzer: „Als Agentur haben wir ständig ein Auge auf aktuelle Entwicklungen im Bereich Plattformen. Wer Plattformen aber als Selbstzweck betrachtet und kreative Leistungen vernachlässigt, der bringt seine Kampagnen nicht zum Fliegen.“


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